Der Auftakt von „Schulz & Böhmermann“ auf ZDFkultur wurde mit großen Anforderungen erwartet.
Nach dem einschlagenden Erfolg der unkonventionellen Talkshow „Roche & Böhmermann“ tritt nun Olli Schulz, seines Zeichens Schmusesänger und Blödelbarde, an die Stelle der Skandalautorin Charlotte Roche. Als frech, quirlige Talkerin belebte sie die Sendung und brachte, gemeinsam mit Mediengenie Jan Böhmermann, eine wertvolle Sendung an den Start, die selbst junge Leute an die „ernsten“ Themen des Lebens heranführen konnte. Den Preis der "Unterhaltungsjournalisten 2012" gewannen die beiden nicht umsonst.

Interne Streitigkeiten zwischen den Querköpfen führten 2013 allerdings dazu, dass das Format auf seinem Erfolgshöhepunkt abgesetzt wurde. Diese Entscheidung wird bis heute von einer breiten Fangemeinschaft stark bedauert und umso höher ist die Freude über die Fortführung dieser Sendung.

Nun nimmt Olli Schulz also das schwere Erbe an, an die Glanzleistung seiner Vorgängerin anzuknüpfen.

„Wo bleibt das Koks?“ wirft Rapper Kollegah und Chef im Ring gleich zu Beginn in die Runde. Im Hinblick auf den nervös und ungeduldig wirkenden Olli Schulz wohl eher eine schlechte Idee. Schulz blödelt dumm rum, provoziert inhaltslos und trifft mit seinen flachen Witzen selten ins Schwarze. Blödelmann klatscht am lautesten. Verkehrte Welt im Studio: Die investigativen Fragen stellt Kollegah und nimmt so schon zu Beginn den beiden Moderatoren die Butter vom Brot. Der entspannt wirkende Wetterfrosch Jörg Kachelmann lässt sich nicht in die Falle locken und Hochstapler-Psychologe Gert Postel diagnostiziert Olli Empathielosigkeit.

Olli Schulz redet in der Tat viel über sich selbst und verfehlt die Kompetenzen eines guten Talkmasters. Auch in einer Talkshow ohne Regeln sind die Tugenden des Zuhörens und der cleveren Gesprächsführung hilfreich, um seine Gäste in die Zange zu nehmen. Ausschließlich billige Provokation und ein, wenn auch geplanter, Dilettantismus sind auf die Dauer langweilig und ohne Thrill. So war beispielsweise Drehbuchautorin Annika Decker, als einzige Frau am Tisch, von dem aufwallenden Testosteron etwas beeindruckt und kam leider kaum zu Wort.

Trotz allem ist „Schulz & Böhmermann“ nach wie vor eine anspruchsvolle, liebevoll gestaltete Fernsehsendung mit einem enormen Potential die Fernsehlandschaft aufzumischen. Olli macht uns den Klassenclown und unterhält. Leider geht der Spaß diesmal auf seine eigenen Kosten. Jan Böhmenmann ist nach eigener Aussage mit der ersten Sendung „mittelmäßig“ zufrieden und sieht  "Luft nach oben“.

Ich bin gespannt auf die nächste Folge und behalte Olli Schulz im Auge. Denn eigentlich bist du doch cool man!