Oh man, Montag. Wieder arbeiten. Dabei ist es so gemütlich unter der Bettdecke und es fällt schwer aufzustehen. Irgendwie kacke, der Kampf mit diesem inneren Schweinehund. Er drängt mich dazu noch eine Minute liegen zu bleiben. Und noch eine…und noch eine. Oh man, jetzt ist es aber schon Zeit. Ich komme definitiv wieder zu spät, wenn ich mich nicht beeile. Es hilft nichts! Auf geht’s. 

Schon in Gedanken an den Feierabend, läuft so ein Wochenstart eigentlich viel angenehmer ab. Liegt aber auch nur daran, dass es heute Abend in die Columbia Halle geht. Intention: FOALS live in concert. Eine Band, die sich Fohlen nennt, keine Ahnung warum, aber bei Bandnamen ist das ja immer so eine Sache. Der Bandname muss gut klingen, eingängig sein, leicht von der Zunge gehen, Aussage haben. Aussage? Muss nicht unbedingt sein, kann im Vorfeld aber viel über die Band verraten. Egal.FOALS spielen heute Abend. Ich gehe hin.

FOALS ist eine Band aus Oxford, Großbritannien. Gegründet in 2005 spielt das Quintett um den Sänger Yannis Philippakis Indie-Musik. Wikipedia will mir etwas von Math-Rock erzählen, aber was verdammt noch mal ist Math-Rock? Noch nie gehört und will ich auch nie wieder hören. FOALS ist eine Indie-Band. Ich denke, das reicht um sie musikalisch zu kategorisieren. Mittlerweile mit dem vierten Studio Album „What went down“ (2015) am Start sind die Jungs seit Februar auf Tour. 3 Deutschland Konzerte und zwei Festival Auftritte stehen hierzulande auf dem Plan. Der Rest verteilt sich auf die ganze Welt.

Image titleDer Abend in der Columbia Halle geht los. Es ist voll. Gemacht für 3500 Zuschauer platzt die Butze, gefühlt, aus alles Nähten. Vorband des Abends ist Trümmer, drei Jungs aus Hamburg die mit ihrem Deutsch-Rock-Pop Sound das Gehör vieler Generationen treffen.„Zu unseren Konzerten kommen mittlerweile die verschiedensten Menschen, von 30 bis 40-Jährigen, aber auch 15 bis 20-Jährige“ erzählte Sänger Paul in einem Interview mit NOISEY.

Ich kannte sie bis dato nur vom Hören-Sagen und bin nach ihrem Auftritt auch eher zwiegespalten. Die Jungs haben super zusammen gespielt und kreieren definitiv einen ganz eigenen Sound. Für mich, der Sound nach der Wende. Sehr pop-lastig und groovy. Ihre Lyrik ist in gesellschaftskritischer Metaphorik verpackt, die beim Auftritt leider nicht ganz rüberkam. Dennoch ein schöner Zufall die Jungs dort als Vorband anzutreffen. Jetzt weiß ich wenigstens mit wem ich es zu tun habe. Ich stolpere in letzterer Zeit nämlich öfters über den Namen. 


Nur auf den Haupt Act gewartet, rastet die Menge natürlich komplett aus, als der erste der Band, Schlagzeuger Jack Bevan, sein Podium betritt. Es kommt noch einer. Und noch einer. Da kommt noch einer, und dann noch einer. Sie sind komplett. Sie haben Bock. Das merkt man. Frontmann Yannis Philippakis schnallt sich die Gitarre um, läuft bzw. tänzelt sich auf der Stage warm. Von links nach rechts. Von rechts nach links. Auch wenn ich meist nur Hinterköpfe sehe, kann man das Feuer in den Augen des Publikums spüren. Das Jucken in ihren Füßen auch. Sie wollen tanzen, kreischen und durchdrehen. Und sie tun es! Nach dem zweiten Song hat sich vor der Bühne schon ein bewegender Kreis gebildet der laufend seine Form verändert. Bei einer Punk Show würde ich es Pogo nennen. 

Image titleDer Auftritt der Band ist stark. Die Performance und das Zusammenspiel überzeugt. Die Lichtershow ist eine einzige Augendisko und mir fallen fast die Augen aus dem Kopf. Kombiniert mit dem melodiösen Sound, ein komplettes Abenteuer. Die eingängigen Gitarrenriffs, der wummernde Bass und das auf den Takt perfekte Schlagzeug ziehen mich mit. Ziehen mich rein. Wie als würde jemand in Zeitlupe Sand vom Boden aufsaugen. Jeder Song wie ein Sog. Der Schlagzeuger ist der Hammer. Rhythmisch ganz weit oben und immer selbstbewusst. Oftmals erhebt er sich, stellt sich auf seinen Stuhl und gibt mit seinen Sticks den Takt vor. Die Leute machen mit. 

Beim Song „Spanish Sahara“ wurde mir so warm wie lange nicht mehr. Lag aber nicht an der dicken Luft in der Halle, sondern eher an der Kombination aus rauschenden Wellen, Melodie, Gesang und der Stimmung. Oh man, warum hab ich dich nicht in Arm genommen? 

Es gibt zwei zusätzliche Zugaben, wobei sich Philippakis bei der Ersten von der Crowd tragen lässt und bei der Zweiten erst mal einen ganz gepflegten Hechtsprung vom Balkon macht. Right into the audience. Why not? Er wurde gefangen. Ich fand's amüsant.

Mit tosendem Jubel ging die Band nach guten 1 1/2 Stunden von der Bühne und wir Richtung Garderobe. Stau. Menschenmassen. Sie wollen alle zum gleichen Tresen. Aber nicht mit mir. Dreistigkeit siegt und so konnte man dann doch schon nach gepflegten 20 Minuten die Halle verlassen. Vordrängeln halt.