Nicht! Der Titel hat dich also gelockt. Nun lies meine Filmkritik:

„When all is lost, you fight.“ 

Ein Satz, der thematisch genau das einfängt, worum es in dem Western Thriller von Alejandro G. Iñárritu’s The Revenant geht. Kämpfen und Überleben. Aber um jeden Preis kämpfen. Für den Hauptcharakter des Films, Hugh Glass, gespielt von Leonardo DiCaprio, eine Lebensphilosophie und für mich als Zuschauer eine klare Offenbarung der kommenden Ereignisse in der Geschichte.

The Revenant basiert auf dem 2002 gleichnamig erschienen Roman von Michael Punke und erzählt die Geschichte vom Fallensteller und PelzjägerHugh Glass zur Zeit der American Frontier um 1823, der mit einer Truppe von anderen Pelzjägern derRocky Mountain Fur Company in der Wildnis des unerschlossenen Louisiana unterwegs ist und nachts plötzlich von einer Gruppe Arikara-Indianer überfallen wird. Daraufhin beginnt die Situation zu eskalieren, die Männer müssen einiges einstecken und erleiden hohe Verluste. Sie sind nun auf der Flucht und machen sich zu Fuß auf den Weg zurück Richtung Camp Fort Kiowa, ihren Stützpunkt.

Man weiß nicht viel über den Hugh Glass. Er hat einen Halbblut-Sohn names Hawk, spricht die indianische Sprache und scheint sich gut auszukennen in den Wäldern. Seine Männer zumindest zählen auf seine Meinung und sind ihm gegenüber selbstlos. Er liebt seinen Sohn, denn er ist das Einzige, was er noch hat und verlangt das Gleiche von ihm, was er sich selbst auch abverlangt. Nicht aufgeben. Um keinen Preis.

Image titleFoto: filmfutter.de

Auf dem Weg zum Camp passiert so Einiges, was mir den Atem geraubt und mich zugleich sehr beeindruckt hat. Damit meine ich unter anderem das Storytelling durch die Bildsprache. Director of Photography für den Film war Emmanuel Lubezki, der unter anderem schon für Children of Men (2006), Gravity (2013) und Birdman (2014) für die Kamera verantwortlich war und schon zwei Oscars gewonnen hat. Wenn nicht sogar bald ein dritter dazu kommt...

Die Geschichte spielt sich in relativ vielen One-Takes ab, also Szenen, die komplett am Stück gedreht wurden. Dadurch taucht man komplett in die Geschehnisse ein und bekommt das Gefühl, als unbekannter Beobachter tatsächlich im Wilden Westen mit dabei zu sein. Es wirkt fast schon so wie ein echtes Abenteuer. Nur ohne den modrigen Geruch von Erde und Blättern in der Nase und das Gefühl von Kälte und Schmerzen im ganzen Körper.

Image titleSehr beeindruckt haben mich auch die Stillleben. Abenddämmerung, Sternenhimmel, Morgengrauen. Es sah oft aus wie gemalt und durch längeres betrachten konnte man die ästhetische Wirkung der Bilder förmlich spüren. Ich denke Iñárritu hat sich bewusst für ein längeres Einspielen solcher Bilder entschieden, um noch einmal zu verdeutlichen wie stark und gewaltig die Bilder im natürlichen Licht wirken können.The Revenant wurde nämlich bei natürlichen Lichtverhältnissen gedreht und jeden Tag wurde bis zur „Golden Hour“ gewartet, um das Spektakel für eine gute Stunde ins Rollen zu bringen. Lightning und Framing also fully approved, würde ich meinen.

Man begleitet den Charakter, Hugh Glass, auf eine Reise. Eine Reise ums Überleben und der Macht des Stärkeren. Schauspielerisch auch auf ganz hohem Niveau, Leo. Ich nehme es dir ab. Im Wald…in der Kälte…mit Schmerzen, Frust, Wut, Trauer, Hoffnung, Hunger. Ich nehme es ihm ab.

Es ist gut nachvollziehbar, warum einige Mitarbeiter der Film-Crew keine Lust mehr auf das Projekt hatten und aufhörten, wenn man die Bedingungen betrachtet, unter denen gedreht worden ist. Die Dreharbeiten fanden überwiegend in den tief winterlichen Gebieten Kanadas (Calgary, Burnaby) sowie zum Teil in den Vereinigten Staaten statt. Die finalen Szenen wurden in Argentinien gedreht, weil Calgary unter den Auswirkungen des Klimawandels litt. 25 Grad mitten im Winter. Für die Planung eine Katastrophe.

Die Musik wurde von Ryūichi Sakamoto und Alva Noto komponiert. Bryce Dessner steuerte auch mehrere Stücke bei. Er spielt unter anderem in der Band The National und kollaboriert mit anderen Musikern und Filmemachern. Ryūichi erntete schon in den 1988 Jahren einen Oscar für die beste Filmmusik in „Der letzte Kaiser“ von Bernardo Bertolucci. Die Musik in The Revenantunterstreicht den epischen Ton der Geschichte. Sie ist minimalistisch und gleichzeitig so eindrucksvoll. Sie lässt die gewaltigen Bilder und Panoramen viel intensiver wirken und spiegelt die Stimmung des Films perfekt wider. Düster, melancholisch, aber auch hoffnungsvoll und erleichternd. Musik, meiner Meinung nach, auch approved.

Der Plot ist sehr einfach gestrickt, was aber kaum Einfluss auf die Spannung des Films hat. Im Prinzip geht es um Rache. Rache unter Glass und einem anderen Mitstreiter John Fitzgerald, gespielt von Tom Hardy. Generell ist der Film so imposant, dass man zufrieden sein kann mit einem eher etwas einfacheren Plot. Die Ausdrucksweise der Amerikaner zu dieser Zeit lässt zu wünschen übrig. Ziemlich viel Slang und genuschel. Da wiederum kann man von Glück reden, dass Hugh Glass im Film kaum spricht. Seine Emotionen werden überwiegend durch Gesichtsausdrücke vermittelt, was noch einmal für die gute schauspielerische Leistung Leos spricht.

Ich war komplett dabei. Starker Film!

Meine Bewertung auf einer Skala von 1 - 10: Ganz klar, 9


Hier noch eine interessante Dokumentation über die Produktion und Hintergründe des Films. Sehr spannend: