Es hat wieder geschneit. Allerdings so dürftig, dass der liegen bleibende Schnee schnell zur Matsche Pampe wird. Ich bin auf dem Weg zum Lido. Es ist kurz nach 6, ich bin ein spät dran. Mit meinen Kollegen Julian und Hanna von Freshmilk.TV haben wir uns eigentlich um 18 Uhr vor dem Laden verabredet. Unsere heutige Mission: Ein Interview mit LOVE A, einer Deutschpunk Band.

Die Idee zum Interview kam, weil die Band zwei aktuelle Shows spielt. Eine in Hamburg im Übel und Gefährlich am Tag davor und eine in Berlin im Lido. Da Julian und ich die Musik der Band sehr feiern, wollten wir unbedingt zum Konzert und dachten uns natürlich, dass ein Interview mit den Jungs ganz cool wäre. Man lernt die Menschen seiner Lieblingsbands sowieso zu selten kennen, sodass wir dieses mal einfach die Chance ergriffen und ein Interview anfragten für Freshmilk.TV. 

Mit 20 Minuten Verspätung traf ich Hanna und Julian schon im Backstage. Julian schon das erste Bier in der Hand. Stimmbänder anwärmen und so… Nervosität wegtrinken vielleicht auch. Vielleicht aber einfach nur weil Samstag ist. Wie dem auch sei, die Band musste erst mal zum Soundcheck und wir vertrieben uns im Backstage die Zeit mit Crew, Bier und Tee. 

LOVE A

LOVE A von links: Karl (Schlagzeug), Dominik (Bass), Jörg (Gesang), Stefan (Gitarre)


Nach dem Soundcheck stand ein kleiner Small Talk mit der Band an. Julian hatte sich natürlich schon fleißig warm geredet, ist ja klar. Wer steht schon doof in der Gegend herum und spart sich seine Worte für das Interview auf? Ist ja unhöflich und kommt komisch. So konnten Hanna und ich aber die Einstellungen für das Interview vorbereiten und die Vorband des Abends verzog sich auf die Bühne um den Soundcheck zu machen. Die Vorband hieß übrigens Freiburg. Eine vierköpfige Band aus Gütersloh. Schon lustig. Freiburg aus Gütersloh. Mehr dazu aber später. 

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Nun war Julian erst einmal an der Reihe sich mit den Jungs von LOVE A zu unterhalten. Gesprächsthema zu Anfang waren erst einmal private Angelegenheiten wie zum Beispiel unser eigenes Bandprojekt für das wir immer noch einen Namen brauchen. Ist irgendwie nicht so einfach einen zu finden, vor allem wenn man sich ständig den Kopf darüber zerbricht. LOVE A waren sich zumindest einig, dass wir uns Specklanze nennen sollen, da unsere Songs immer mit dem erhobenen Wurstfinger geschrieben werden. Das Interview selbst war sehr locker, es wurde geraucht, ein paar Bier vernichtet und viel gelacht. LOVE A waren im Interview genau so, wie sie in ihren Texten rüberkommen. Ironisch, ehrlich, humorvoll und bewusstseinserweiternd. 

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Jörg, Sänger der Band ist schon ein Sprücheklopfer und das ein oder andere mal hätte ich mir gern eine ernstere Antwort gewünscht, vor allem auch deshalb weil die Band eine ganz klare Haltung einnimmt. Sie sind nämlich politisch und im linken Spektrum einzuordnen. Mit ihrer Punker Attitüde zeigen sie der Gesellschaft den Mittelfinger und wollen, dass sich etwas verändert auf der Welt. In den Köpfen und in den Herzen der Menschen. Stellungnahme finde ich daher sehr wichtig.

Dominik, der Basser und Karl, der Schlagzeuger waren dann eher diejenigen die ernsthafter Stellung nahmen zu Julian’s Fragen. Stefan, der Gitarrist wirkte eher schüchtern. Vielleicht hatte er auch einfach nicht so Bock zu quatschen. Er hat mich oft mit seinen großen Augen und Rauschebart angeschaut. Das war süß! Natürlich nur, weil ich so beeindruckend die Tonangel gehalten habe. Wenn durch Salat der Bizeps schrumpft, wächst er definitiv durch Halten der Tonangel. Bei der Gelegenheit mal nen Gruß an Stefan. Der Bizeps ist für dich!

Um die Band tatsächlich richtig kennen zu lernen muss man sich die Songs anhören denn die sind melodisch eingängig, textlich ganz weit vorne und überaus spannend. Jörg ist auf jeden Fall ein guter Texte Schreiber und Performer. 

Nach dem gefühlten 12413214124 Stunden Interview (lag wohl einfach am halten der Tonangel) gab es für die Jungs etwas zu futtern und wir drei Kollegen freuten uns auf die kommende Show. Leicht berauscht, hab ich glaub ich bisschen wirres Zeugs erzählt und dem einen oder anderen der Band eine gute Kante ans Bein gequatscht - Karl war mein Opfer. Aber hey that’s Punkrock. Keine Scham. Einfach machen. Greets to Karl.

Freiburg aus Gütersloh

Freiburg aus Gütersloh standen nun auf der Bühne. Wir drängelten uns nach vorne um einen guten Blick auf die Bühne zu haben. Der Sound war super. Vielleicht lag es auch an meiner Wahrnehmung, aber die Jungs von Freiburg spielten meines Erachtens perfekt zusammen. Meine Augen fielen ganze Zeit auf den Schlagzeuger, der im Dauerfeuer sechzehntel geballert hat. Hammer! Freiburg empfand ich als eine Mischung von Turbostaat und Disco Oslo. Geiler Deutschpunk, der in der Melodie sehr abwechslungsreich ist. Basser und Gitarrist wechselten sich im Gesang ab und standen sich gegenüber. Nach dem Motto ich rede mit dir und du mit mir. Schreien trifft es aber besser.

Nach einer kurzen Umbaupause kam Love A dann auf die Bühne. Zu der Zeit waren mittlerweile die restlichen Specklanzen im Saal versammelt (damit meine ich tatsächlich die restlichen Mitglieder unserer gemeinsamen Band) und wir haben uns zum ersten mal gemeinsam eine andere Band live reingezogen. Es war eine Mischung aus Spaß und Lernhilfe, ohne sich zu melden und Fragen in den Raum zu werfen. 

Meine Wahrnehmung hat sich trotzdem kaum verändert und so stand ich da, dicht und unmittelbar neben dem Speaker. Nach dem zweiten Song dachte ich, ein Tinnitus hat sich in meinem Gehörgang breit gemacht. Nach dem Konzert merkte ich aber, es war völlige Einbildung. Zum Glück. 

Das Konzert von LOVE A war überragend. Für mich war es nicht nur ein Konzert, sondern ein kleines Theaterstück. Einfach nur weil alles miteinander funktioniert hat. Es ist irgendwie schwierig zu beschreiben. Im Endeffekt ist Musik eine Art von Ausdruck, die sich beim Konzert eben in verschiedenen Musikinstrumenten und in den Lyrics widerspiegelt. Die Texte von LOVE A sind auch mehr kleine Geschichten die erzählt werden. Ich hatte irgendwie das Gefühl einer großen Geschichte zu folgen, auch wenn kein Song auf dem anderen aufgebaut hat. Ich wurde auf jeden Fall komplett mit eingesogen in das Geschehen.

Ein Song blieb mir besonders im Gedächtnis - Chefkoch. Beschäftigt sich mit dem Praktikanten dasein und spricht wohl vielen aus der Seele. Kaffee kochen, Dreck wegmachen und eigentlich der Otto für alles sein. So läuft das ja meistens im Praktikum. Der Chefkoch für alle sein. Ziemlich lustig, ziemlich fetzig.

Zugabe

Wofür LOVE A auf jeden Fall derbe Respekt verdient haben war das sie drei Zugaben gespielt haben. Diese Zugaben bestanden nicht nur aus 2 Songs, sondern gleich mal aus 3,4,5. Gute Kondition! Das war das Eintrittsgeld allemal wert. Jörg konnte es auch nicht oft genug betonen. Der Saal war zudem auch ausverkauft. Nicht schlecht. Lag wohl am günstigen Eintrittspreis, Jörg. Was aber nicht heißen soll, dass es in Zukunft teurer sein muss…Jörg! 

Wie die Band uns auch im Interview verraten hat geht es ihnen auch viel mehr darum laufende Kosten zu decken, zum Beispiel Sprit zu den Konzerten, Tonträger Aufnahmen und Merch Artikel für Fans. Immerhin gehen die Jungs parallel dazu noch schuften und machen in ihrer Freizeit das was ihnen Spaß macht - Musik! Und das sogar richtig gut. 

Alles in allem ein toller Abend mit guter Musik und netten Menschen. War schön euch kennen gelernt zu haben LOVE A und bis zum nächsten mal wenn ihr Vorband von uns, Specklanze, seid. 

Das Interview auf Video folgt bald! 

Ein kleinen musikalischen Vorgeschmack von Love A:


Und vom aktuellen Album "Jagd und Hund" der Song "Toter Winkel":